Religionsunterricht

Wer hat sich nicht bei der Kurvendiskussion im Mathematikunterricht gefragt: „Wozu braucht man das?“ Was hat eine Schulklasse voller noch recht junger Persönlichkeiten davon, zwei Flüssigkeiten zusammenzugießen und es knallen zu hören? Solche Zweifel lassen erkennen, dass die Sinnfrage äußerst umfassend ist und überall gestellt werden kann. Im Religionsunterricht (RU) steht sie im Mittelpunkt. Hier ist die Möglichkeit gegeben, sich im Verbund mit seinen Mitschülern mit Grundwerten auseinander zu setzen, Leitgedanken für das persönliche Leben zu entwickeln und Spiritualität zu begegnen.

Wichtige Gegenstände im modernen RU sind...

Identität und Gemeinschaft

 

Wer bin ich? Wie komme ich mit anderen aus? Wie verhalte ich mich? 
Das sind alles Fragen, die die eigene Person unserer Kinder und ihr Zusammenleben mit anderen in den Mittelpunkt stellen.
Um diese zu bearbeiten, werden die Kinder angeleitet sich und ihre Umwelt aufmerksam und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Sie dürfen z.B. beim Konflikttraining andere Sichtweisen spielerisch erproben und darüber Auskunft geben, wie sie sich dabei gefühlt haben. Sie dürfen unterschiedliche Symbole und Erfahrungen von Menschen in Beziehung bringen und vor allem wichtige Gedanken aus der chritlichen Überlieferung mit eigenen Vorstellungen und Erfahrungen vergleichen.

Christlicher Glaube evangelischer Prägung

 

Worauf verlasse ich mich? Worauf darf ich hoffen? Woher weiß ich das?
Diese Fragen berühren die christliche Tradition und Glaubensfragen.
Um diese zu bearbeiten, müssen die Kinder sich mit ihrem eigenen Glauben auseinandersetzen um (hoffentlich irgendwann) einen eigenen Standpunkt bekommen und den auf begründet vertreten können.

Religion in einer pluralen Welt

 

Wie zeigt sich Andersartigkeit? Wie begegne ich Fremden und Fremdem?
Diese Fragen beziehen sich auf andere Religionen und Kulturen.
Um die zu beantworten, müssen die Kinder erste einmal religiöse Bräuche beschreiben und vergleichen können und ihre Gefühle und Befindlichkeiten angemessen beschreiben können.

Zusammenfassung

 

Das alles klingt schwierig. Ist es aber nicht. Im RU legen wir Wert auf große Selbständigkeit (z.B. von Deutungen). Die Zeiten sind vorbei, dass Schüler ein Bild so zu interpretieren haben, wie es der Lehrer vorgibt. Dabei wird der Alltag und die Lebenswelt der Schüler immer wieder einbezogen. Ohne die geht es überhaupt nicht. Viele Themen sind langfristig angelegt und kehren in den verschiedenen Schuljahren wieder. Nachhaltiges Lernen soll neue und bereits erworbene Kompetenzen erknüpfen.

Der Religionsunterricht möchte die Jugendlichen ,offen´ halten für Lebensfragen. Sein Ziel ist, durch ein vertieftes Durchdringen der Wirklichkeit Schüler zu einem reflektierten Wirklichkeitsverständnis zu führen. Von grundlegender Bedeutung sind hierbei das Erfassen der Welt in ihren vielfältigen Aspekten, Fragen nach Hintergründen und Zusammenhängen, die Besinnung auf Möglichkeiten und Grenzen des Erkennens sowie die Beschäftigung mit Sinndeutungen.

Die Positionen der christlichen Kirchen zu den grundlegenden Fragen des Lebens kommen ebenso zur Sprache wie diejenigen anderer Religionen, beispielsweise des Judentums und des Islam. Die Schüler setzen sich mit möglichen Antworten auf Sinnfragen auseinander und finden auf diese Weise zu einer eigenen Wertehaltung. Es soll ihnen darüber hinaus ermöglicht werden, religiöse Inhalte mit ihren eigenen Erfahrungen abzugleichen. Gedanken über Tod und Leben, Liebe und Hoffnung sowie Krieg und Frieden geben Klärung, was der christliche Glaube für den Einzelnen bedeuten kann und wie der Glaube im Leben eines Menschen Platz findet.

(Quelle: www.kircheundgeld.de)

Die Praxis: Gottesdienst zum Schulanfang

 

„Wie aufregend – der erste Schultag! Bin ich froh, dass meine Eltern, Oma und Opa mitgekommen sind. Seit Tagen haben wir zusammen Lieder eingeübt für den Schulanfangsgottesdienst. Wie die Kerzen flackern. Mama singt ganz inbrünstig. Papa aber ist still. Ob er wie ich über das Neue, die Schule und die anderen Kinder nachdenkt. Vielleicht hat auch er ein bisschen Angst. Jetzt werden wir gesegnet und wünschen uns gegenseitig Gutes für den Schulbeginn. Das war schön. Wenn die Schule immer so beginnt, gehe ich gern hin."

Mit dem Eintritt in die Schule beginnt ein weiterer wichtiger Lebensabschnitt der Heranwachsenden. Dieser besondere Tag wird in den evangelischen Schulen mit einem Gottesdienst eingeleitet, zu dem auch Eltern und Großeltern eingeladen sind. Manch einer wird denken: „Wie schnell die Kleine doch groß geworden ist. Kaum zu fassen, wie die Zeit verflogen ist!“ Der Gottesdienst möchte mit Liedern, christlichen Gedanken und Gesten auf den Schulalltag einstimmen. Eben den Schritt zur Schulbank gemeinsam mit Gott im Herzen zu machen.

Die gesamte Familie betet für einen gelungenen Schulanfang, empfängt Gottes Segen und erhält die tröstliche Gewissheit, auch in dieser Lebensphase von göttlichem Beistand begleitet zu werden. In manchen Gemeinden erhalten die Neuankömmlinge von älteren Schülern kleine Geschenke, die ihnen die Angst und Unsicherheit vor der Schule nehmen sollen. Ein schöner Brauch, der die Verbundenheit von Jung und Alt festigt.