Johanniskirche Rosenberg

Im ehemaligen Rosenberger Friedhof steht die St. Johanniskirche, deren Chorraum auf die Erbauung in der Spätgotik hinweist. Es kann aber angenommen werden, dass es schon eine Vorgängerkirche gab. Filialkirche der Pfarrei Ammertal, über Reformation und Simultaneum erfuhr sie enorme bauliche Vergrößerungen und innere Umgestaltungen; die meisten aber seit Auflösung des Simultaneums 1900. Das heutige schlichte Aussehen ist das Ergebnis einer grundlegenden Sanierung des Baukörpers und der damit verbundenen Innengestaltung im Jahre 1972.

Chorraum

Im spätgotischen Chorraum steht der schlichte Altar, ein Sandsteintisch mit einem Metallkreuz. Dieses Kreuz, die Leuchter, das Lesepult und die Gefallenengedenkstätte sind von Udo Vogel, Brand, aus Stahl mit Bronzeaufschmelzung gestaltet. Der Chorraum mit polygonalem Abschluss hat originale Maßwerkfenster mit mittelalterlichen Steinmetzzeichen und ein spätgotisches Rippengewölbe mit rosenförmigen Schlusssteinen.

Sebastian Erlbeck

An der linken Seite des Bogens zum Chorraum sehen wir die 2,0 x 0,9m große Grabplatte von Sebastian Erlbeck, mit dem rohen fast vollrunden Hochrelief eines bärtigen Ritters, in der Rechten einen Streithammer haltend, in der Linken das Schwert. Rechts zu seinen Füßen der Helm. Die Inschrift lautet: ANNO DNI 1560 DEN 14 FEBRVARI VERSCHID DER EDE(L) (S)EBASTIAN ERLBECK VF ROSENBERG VUND ALBERSHOF SEINS ALTERS 51 IAR DEM GOT GENEDIG. An den Ecken die Wappen steht: Erlbeck - Stibar, Hetzeldorf - Truchseßen, v. Wetzhausen.

Auf der rechten Seite des Steinbogens zum Chorraum steht auf der Grabplatte: ANNO DNI 1544 DEN ERSTEN JANUARi VERSCH(ID DER EDEL) UND ERNVEST WO(LF) ERLBECK UF ALBERSHOF SEINS ALTERS 74 (JAR) DEM GOT GENEDIG.

Sebastian Erlbeck von Sittenbach kaufte 1542 die Burghut Rosenberg von Pankraz und Hans Joachim Stibar zu Buttenheim. Als Kirchenherr von Rosenberg begehrte er 1543 einen Priester nach der Kirchenordnung Ottheinrichs. Er war 1548 Landrichter zu Amberg und 1559 Landschaftsverordneter von Neuburg. Er und sein Bruder Sebastian waren Hofmarksherren in Rosenberg und Großalbershof. Zur Hofmark Rosenberg gehörten zu dieser Zeit der Schloßberg, zwei Höfe, 14 Güter und das Wirtshaus in Rosenberg, sowie Güter in Breitenbrunn, Lohe, Aichazandt und Buchhof.

Albrecht Stibar

Hauptmann Stiber war seit 1495 Lehensinhaber von Rosenberg und organisierte 1504 die erfolgreiche Verteidigung Sulzbachs gegen Pfälzer und Böhmische Söldner im Landshuter Erbfolgekrieg. Seine Grabplatte, die linke der beiden Platten links neben dem Chorbogen, neben der Tür zur Empore, befand sich bis zur Kirchenrenovierung 1972 im Chorraum der Kirche. Sie zeigt in der Mitte das Familienwappen der Stibars. Die Schrift lautet: ANNO DNI 1504 AM DONERSTAG NACH PETRI KETENFEIR IST VERSCHIDEN DER EDEL VND VEST ALBRECHT STIBER ZM ROSENBERG DER ZEIT LANDTRICHTER UND PFLEGER ZW SVLCZPACH DEM GOT GENEDIG SEI.

Die rechte der beiden Grabplatten zeigt das Wappen der Truchsesse von Wetzhausen. Die Umschrift in Minuskeln lautet: ANNO DNI 1504 AM MICHEN NACH UNSER LIBEN FRAUEN TAG WURT (ZWEIHE) IST VERSCHIDE DIE EDEL UND TUGENTHAFT FRAU VERONICA DRUCHSESSIN VON WECZHAUSEN ALBRECHT STIBERS HAUSFRAW GEWESE DER GOT GENEDIG SEY

Kruzifixgruppe

An der Südseite, links neben der Seitentür sehen wir eine Kruzifixgruppe. Sie krönte von 1883 an den simultanen neugotischen Hauptaltar. In der evang. Kirche stand der Altar weiter von der Auflösung des Simultaneums 1900 bis zur Umgestaltung 1954. Er wurde durch den Osteraltar von Heiber ersetzt. Dieser befindet sich jetzt in der Aussegnungshalle des Waldfriedhofs. Die Kreuzigungsgruppe, eine wertvolle Arbeit im Nazarenerstil, erhielt 1972 den jetzigen Standort.

Petrus und Paulus

Die beiden Bilder rechts neben der Seitentür stammen aus dem neogotischen Altar von 1883. Geschaffen hat sie Joh. Baptist Ernstberger, akad. gebildeter Kunstmaler aus Amberg. 1999 wurden sie durch Stanislaus Stawiarski in Falkenberg restauriert und gerahmt.

Seitenfenster

Als Zeichen der Verbundenheit zwischen den Gemeinden St. Nikolai, Schwerin und St. Johannis, Rosenberg wurde dieses Fenster, ein Teil eines Schelfkirchenfensters in Schwerin, überreicht. Am Erntedankfest 1991 wurde es in unsere Kirche gebracht. 1858 waren die Originalscheiben mit dieser Ornamentik in St. Nikolai, Schwerin, eingesetzt worden. Das Seitenfenster soll ein Zeichen sein, dass die Verbindung der beiden Kirchengemeinden Bestand hat über Zeiten der Paten- und Partnerschaft, über Trennung und Wiedervereinigung.

Grabplatten

Ein ehemaliger Pfarrer Rosenbergs, Pfr. Bitterauf schreibt 1913 in seiner Chronik: "Eine weitere Grabplatte von einem Sohn Stibars, dessen Name nicht mit Sicherheit zu lesen ist, befindet sich zur Zeit in die Mauer eingelassen an der westlichen Kirchentür." Rechts der Tür: ANNO DN 1505 JAR AM MONTAG SANT SEBASTIANSTAG IST VERSCHIDN DER EDL VEST WOLF STIBER UF ROSENBERG DR ALBRECHT STIBER SEIN SON GEWEST DEM GOT GNAD. Links der Tür: ANNO DNI 1504 JAR AM MONTAG NACH PETRI KETEFEIE IST VERSCHIDEN DER EDEL UND VEST WOLF STIBER ZU ROSENBERG DER ALBRECHT STIBER SUN GWEST IST DE GOT GENAD. Beide Platten lagen früher unter der Kanzel.

Luther und Melanchthon

Pfr. Friedrich August Wenz, geb. 1880 in München, gest. 1957 in Westheim, war von 1916 bis 1933 Pfarrer in Rosenberg. Er malte das Luther/Melanchthonbild im Jahre 1917 und stiftete es zum 400jährigen Reformationsjubiläum seiner Rosenberger Kirche.

Orgel

Das schöne barocke Orgelgehäuse wurde 1763 von Joh. Andr. Weiß, dem berühmten Orgelbauer zu Nabburg, erstellt. Die Orgelbaufirma Deininger & Renner GmbH zu Oettingen schuf 1997 das neue Werk mit mechanischer Traktur.

Außenbereich

Gedenkplatten findet man an der Südseite außen an der Johanniskirche. Sie weisen auf Grabstätten im ehemaligen Friedhof hin, der sich rund um die Kirche befand. Leider sind weitere Platten, die historisch wichtig wären und von denen die Chronik berichtet, nicht mehr vorhanden. Der Text auf einer noch vorhandenen lautet: "Grabstätte der weiland Jungfer Ester Barbara Herbstin, gebohren 1753 den 20. Sept. zu Sulzbach, gestorben 1820 den 29. Jan. zu Rosenberg. Sie ruhe hier im Frieden.  Zum dankbaren Denckmal gesetzet von G.J.H., ihrem Bruder dahier, Pfarrer". Pfarrer Georg Julius Herbst, ein gebürtiger Sulzbacher, war von 1822 bis 1834 evang. Geistlicher in Rosenberg. Sein Dienstweg führte ihn über Wetzlar, Kohlberg, Edelsfeld nach Rosenberg. Er war ledigen Standes. Sein Hauswesen führte 35 Jahre lang seine Schwester Ester. Ihr ist diese Gedenktafel gewidmet.

Neben dem Südausgang findet sich die Tafel mit der Inschrift: "Hier ruht in Gott der Kgl. protest. Pfarrer Herr Heinrich Schmid, geb. den 21. Febr. 1867, gest. den 18. Jan. 1906". Pfarrer Schmidt kam im Herbst 1905 nach Rosenberg. An einem Herzleiden erkrankt, verstarb er hier nach wenigen Monaten.

Außerordentlich wertvoll ist der Grabstein des Melchior Doles († 1563) außen an der Südostecke des Chorschlusses. Stark verwittert, erst seit wenigen Jahren durch eine Glasplatte geschützt, lässt sich die Inschrift nur schwer entziffern. Ein besonderer Glücksfall ist es, dass Lehrer J. Pappenheimer am 20. Januar 1845 den Text dokumentierte.

Oben steht:

Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein
anderer Name den Menschen gegeben darinnen
wir sollen selig werden, denn allein durch den
Menschen Jesus Christus.

In der Mitte steht:

Wir glauben durch die Gnade des Herrn Jesus
Christi selig zu werden.

Die Hauptinschrift lautet:

Anno Domini 1563 auf Samstag den 16. Monatstag Octobris Melchior Doles, Hammermeister zu Rosenberg, Bürger und des Rats zu Sulzbach, seines Alters im 69 Jahr, dessen allmächtig gnädig und barmherzig seye und am jüngsten Tag ein fröhlich Auferstehung verleihen wolle. Amen.
Anno ... den .. Monatstag die erbar und tugendhafte Frau Dorothea, eine geb. Castnerin von der Weiden, seine eheliche Hausfrau. Den Seelen der allmächtig ein fröliche Ufferstehung verleihen wolle. Amen.

Sieben verschiedene Wappen sind zu erkennen. Sie stehen für:

Balthasar Doles   Agnes Sauerzapf
- Vater -    - Mutter -
  Melchior Doles  
  † 1563  
     
Marta Derrer    Klara Zeller Dorothea Kastner
- 1. Frau - - 2. Frau -  v. d. Weiden
     - 3. Frau -
     
Agnes Reynlin   Kunigunde Talkner
- Großmutter väterl. -    von Sassenrieth
     - Großmutter mütterl. - 

aus: F. Schunk/D. Weidner, "Ein Gang durch St. Johannis Rosenberg", Rosenberg 2008/2011